COCHIN

Mein Geburtstag ist da! Ich darf ihn im Gewürzland und meinem liebsten Teil Indiens, in Kerala verbringen. Hier im  Venedig der anderen Art darf ich mit dem TUK-TUK durch die kleinen Gassen tuckern, das bunte Treiben und die Musik genießen.

Der Fahrer, der vorbei an den Touri Bussen fährt dorthin, wo nicht alle hinfahren.

So stoppen wir vor einer Galerie, die noch Reste einer großen Ausstellung von Graphiken und Bildern enthält und ich lerne, dass genau hier die 1x jährliche Welt-Ausstellung von Künstlern  stattfindet.  Die Häuserwände zeugen noch von Plakaten.

Erst später lese ich, wie immer wenn ich auf Reisen bin: DANACH,  von der Cochi Muriris Biennale. Derweil jedoch noch vor Ort in gekühlten Räumen genieße ich die Kunstwerke und bin wie in einem Road Movie auf dem Gelände unterwegs. In dieser Teefabrik der alten Zeit, treffe ich eine Frau, die gegen ein wenig Geld in die Kamera blickt und derweil ich km-weit-weg bin, erinnert allein das Foto an den Geruch von frischem „ Ginger“, der heutzutage dort gelagert und gereinigt wird. Was für ein Berg an Gewürz!

Auf dem so alten Gelände wird gerade ein Film an der alten Mauer und Treppe des Grundstücks gedreht;  und gespannt schaue ich den Dreharbeiten und jungen Akteuren zu, doch kein bekanntes Bollywood Gesicht taucht auf. Aber auch so ist es spannend genug.

Vorbei tuckern wir dann an den klassischen Stellen der Stadt (der Plan zeigt insgesamt 64 Touri Stopps an, die nicht unbedingt angefahren werden müssen!) Wir schauen die St Francis Church an, den Dutch Palace, auch die Jüdische Synagoge und durchqueren die jüdischen Nachbarstraßen, bestaunen die chinesischen Fischernetze und sind fassungslos wie luxuriös die Hotels in Cochin sind.

Indien das Land der Gegensätze: ungeheures  farbenfrohes  und freundliches Lebens, Yoga und Ayurveda, Arm und Reich, Farbe und Musik, Straßenbemalungen und Tempel, Frauen in kunstvollen Seidentüchern und Menschen ohne Bett und Bildung. Kastensystem und Ungleichheit, aber auch Ghandi und Europäische Einflüsse, Flusslandschaft und Sonnenuntergang, TUK-TUK und alkoholfreie Getränke, Curry und Kopfwackeln, das interkulturell falsch verstanden werden kann:

Ein so ungeheuer liebevolles Land, egal wo. Voller Probleme und dennoch auch großer Hoffnung vieler hart arbeitsamer Inder, die wie unser Fahrer plötzlich in eine Straße einbiegt mit den Worten: „ …want to show you something!“  , und  nur kurze Sekunden später  stehen wir vor seinem Haus. Wir sollen seine kleine Familie kennen lernen.

So viel Armut …uns bleibt die Stimme weg. Der Atem geht schneller und die Trauer der lächelnden Menschen im Herzen, wird so schmerzhaft klar wie reich wir sind. Die Ärmsten geben uns Tee, die Hand. Ein liebevolles Lächeln der Ehefrau, Kinder und Schwiegermutter und Tante. Ein Inder in Cochin, der nun für immer per moderne Medien auch anders zu uns über eine unsichtbare Brücke bis zu uns hier in Deutschland geht. Welch große Geste! Aber es ist immer wieder solch Schock, wenn man erleben darf, wie die Menschen, die mit reichen Touristen arbeiten, wirklich leben.

Seine Henna-roten Haare wehen vor uns im Fahrtwind an Abfall vorbei, Leuchtbildern und bunten Fahnen und Musik; so  fährt er rasend hier und da, dreht und wendet, hupt und schließlich halten wir noch schnell vor kleinen edlen Shops für Touristen. Als Dankeschön für seine so andere TUK-TUK –Fahrt gehen wir hinein, auch ohne zu kaufen bekommt unser Fahrer dafür eine Art Essensmarken für Reis-  das tun wir gerne!

Überhaupt möchten wir noch bleiben, möchten wir hier essen und einfach die Zeit stoppen. Indien ist so geruhsam trotz der Hektik wie kein anderes Land so voller Erleben.

Doch 5 Uhr kriecht langsam näher und wir müssen zurück in den so herrlich grün-blauen Meerhafen von Cochin. Wir passieren den alten Bahnhof und das große Cinema House, das Ayurveda Krankenhaus und die tolle Rainbow Bridge. Dann müssen wir uns verabschieden.

Die Adresse des Fahrers liegt gut verstaut in der Tasche. Ein Päckchen aus Deutschland ist versprochen!

Cochin ist immer eine Reise wert: Heritage Arts sollte man nicht verpassen.

Mein Tipp:

Junge Inder schaffen in Cochin gerade neue Unterkünfte, wo alt und neu vereint sich in tollen sehr einfach gehaltenen Räumen wiederfindet- es lohnt sich zu Fuß durch das jüdische Viertel abseits der Touri Ströme zu streifen, denn sehr oft sind diese besonderen Unterkünfte noch nicht online. In der Nähe des Gem Palace Cochin und dem Maha Vishnu Temple, sowie Nähe der Paradesi Jewish Synagogue gibt es in einem mit großen Glastüren versehenen Gebäude zwei super schöne Zimmer. Leider ist die Seite des ruhigen wunderschön individuellen kleinen Hotels noch nicht online.  Den Namen poste ich, sobald ich ihn gefunden habe.

Das Aah Restaurant ist auch noch zu erwähnen. Hier gibt es gute indische Küche in ruhigem einfachen Ambiente.

Ve@Ra

 

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