Jahreswechsel in Indien

Eine Erinnerung, die für immer bleibt

Trivandrum Südindien

Mit dem großem Flieger mit Stopp in Dubai erwartet jeden Indien – Reisenden hier die große Überraschung. Auf dem Weg in das privat gemietet Zimmer findet man sich nach Taxifahrt mit lustigen Bildern und Figuren, betäubender indischer Musik und netten Fahrern (es fahren immer zwei vorne im Taxi mit, da Freunde und Familie den kostenlosen Trip zum Einkaufen in der Stadt nutzen) plötzlich an einem tobenden Meeresstrand mit fast europäisch wirkendem Treiben und irgendwie deplatziert wirkender Promenade wieder.

Unglaublich weißer Sand, so nah am Zimmer, mit riesigem Balkon ohne Fernsehen, aber mit Kühlschrank, lädt zum sofortigen Fußmarsch durchs Wasser ein. Jetzt im Winter ist die Außentemperatur feucht warm bei über 30 Grad und ein kühles Bad lockt. Doch das Wasser ist ebenfalls sehr warm.

Nach dieser Kurzbesichtigung am Strand wird kalt geduscht mit Wasserbehälter, den man füllt und über sich gießt, weil der Duschkopf schon lange deinstalliert wurde – aber die europäische Toilette funktioniert. Wer braucht schon Luxus, wenn er die schönste Aussicht überhaupt hat; das tosende Meer nur einige Schritte entfernt!

So frisch gemacht, in leichte Kleidung geschlüpft geht es ins typisch deutsche Café mit großen frisch dampfenden amerikanischen Kaffeekannen auf dem Tisch und kaltem Zitronendrink in den ersten Tag voller Staunen.

Bunte Kleider, englisch-spanisch-französische Sprachen im Ohr folgt man den Fußball spielenden Jugendlichen am Strand mit freudigen Blicken, bewundert den ein oder anderen Touristen, der in der starken Sonne brät oder auch die mondän dahin schreitenden möchte gern indisch-wirkenden mit Tüchern behangenen weiblichen Touristen.

Was alle hier aus der ganzen Welt eint, ist der Spitzenplatz vor Sri Lanka für eine einmonatige oder mehrmonatige Ayurveda Kurs. Allerdings gibt es auch Menschen, die hier überwintern, aus Belgien und Deutschland, aus den Niederlanden und Spanien, aus England und der Schweiz. Somit ist die Altersgruppe, die sich dieses leisten kann, eher weiblich und eher älter.

Doch bevor die erste Ayurveda Anwendung erfolgt als wohltuende entspannende Massage, spricht man mit dem Ayurveda Arzt. Dieser untersucht sehr gründlich und man hat viele Fragen zu beantworten.

Danach wird die Ayurveda Anwendung täglich jeden Vormittag festgelegt. Wer je eine richtige Ayurveda Massage erleben durfte, weiß, dass man danach so müde ist als hätte man drei Stunden Leistungssport betrieben oder einen mehrstündigen Marathon. Die Muskeln sind durchgeknetet, der Kopf ist müde, die Gedanken kreisen im Dunkeln und man möchte nur schlafen.

Jeder Ayurveda Massage folgt eine Ayurveda Diät, Rauch- und Alkohol frei geht es wochenlang jeden Tag aufs Gleiche morgens zum Ayurveda Center. Danach ein Schläfchen, Schwimmen und Essen. Abends gemütlich Spazierengehen und leichte Kost. Trotz Essen und ohne großen Verzicht, verliert man dank Ayurveda und Stoffwechseländerung in kürzester Zeit mehrere Kilos je nach Typ. Außerdem fühlt sich der eigene Körper nicht nur gestrafft an, sondern ist es auch.

Allerdings arbeitet diese Art der Therapie nach – und der Kopf beginnt, wenn man nicht meditiert oder Yoga begleitend durchführt, sehr in Aufruhr zu geraten. Aber auch dies bringt ungewohnte und neue Erkenntnisse mit sich. Seele und Körper werden gleichzeitig massiv stimuliert.

Ausgeruht, entspannt, entgiftet und Beschwerden frei reist man wieder ab.

Doch vorher sollte man einige der wunderschönen Plätze besuchen die sich Trivandrum genannt Thiruvananthapuram  als Hauptstadt von Kerala befinden.

Eine Tour in die Mangrovenlandschaft auf dem Fluß, mit einer  Pause auf der langen Sandbank, der das Salzwasser vom Süßwasser trennt, ist empfehlenswert. Mit dem Boot gleitet man vorbei an Familien, die in dem in allen Grünfarben schildernden Flusswasser baden, waschen und sich vergnügen.

Auch gedankenverlorene Fischer kann man sichten und die anmutig wie gemalt auf alten Ästen sitzende Vögel ähnlich den Kormoranen.

Seltene Reiherarten, besondere Storchenarten als auch dunkle Finkenarten lassen sich mit viel Glück erspähen bei solch Bootstour.

Beeindruckend ruhig gleitet das Boot durch diese verträumte Flusslandschaft und  wieder zurück. Buchen kann man solche Touren auch als Einzeltour ohne andere Touristen für sehr wenig Geld.

Überhaupt lässt es sich in Indien gut leben, im Verhältnis zu Deutschland ist alles sehr billig, so dass ein langer Urlaub möglich und auch zu empfehlen ist, wenn man ein wenig von Indien kennen lernen möchte.

Zurück in Kovalam am Strand des Arabischen Meeres und der Light House Beach genießen viele dann den Sonnenuntergang bei gutem Essen.

In Trivandrum Stadt gibt es nicht nur ein großes Kaufhaus, sondern wie überall in Indien eindrucksvolle Tempel, den besonderen Padmanabhaswamy-Tempel, aber auch das Napier Museum. Als Nicht –  Hindu kann man allerdings den eindrucksvollen Tempel nicht betreten, aber auch von draußen ist das Gelände und Gebäude eindrucksvoll anzusehen.  Respektvoll kann man den Gläubigen zusehen, wie sie die Alterskleidung ablegen und in weißen Gewändern die Treppen zum Tempel hinaufklettern.

Aber auch die wenigen christlichen Kirchen sind eindrucksvoll und besonders interessant, wenn man einen Tag erwischt, an dem innen ein Chor singt.

Hier am fast südlichsten Punkt Indiens gibt es außer Teeplantagen weiter im Inland so manches zu entdecken, das nicht im Reiseführer steht. So sieht man zurück gezogene Inder und Yogi, aber auch Europäer, die in der Wildnis leben.

Besonders sind auch die typischen Schulen für die besondere langjährige Ausbildung im einzigartigen Klassischen Kerala Stil Tanz dem Kathakali und Kutiyattom. Die sogenannte Margi Organisation hält sich strikt an uralte Gesetze der sehr harten und langen Ausbildung durchgeführt von besonderen Lehrern und Gurus.

Die Ästhetik einer solchen Performance zieht jeden Zuschauer absolut in seinen Bann, denn die Gestik und Mimik der Tänzer ist ungeheuer spannend und mitreißend.

Dieser Teil Indiens kann sich als einziger Distrikt „kommunistisch gewählt“ nennen und dies spiegelt sich in guten Bildungschancen für alle Kinder wider.

Nicht nur gut ausgebildete Jungen toben am Strand, sondern auch die Mädchen lernen eifrig und freuen sich auf Abitur und Studium und lernen. Aber die Gruppen von Mädchen benötigen noch immer eine ältere Frau, die sie begleitet in der Öffentlichkeit. Überhaupt haben Frauen noch immer nicht die gleichen Rechte und können nicht gleichberechtigt im Land leben.

Wer über einem der vielen Shops an der Promenade wohnt, kann  oft im Hinterbereich der Läden beobachten, wie der Vater das Geld kassiert und verwaltet und hinten die Tochter lernt und die Mutter als Beraterin die zumeist weiblichen Kunden „ berät“.

Wenn man eine Party am Ende des Jahres und jeden Tag ein anderes Bild sucht ohne Fernsehen, dann ist Trivandrum das absolute Must Do! Tagelang wird gefeiert, Merry Christmas gerufen und die jungen Männer feiern tagelang verkleidet im Wasser und auf Booten. Jeden Tag und jede Nacht gibt es andere Dinge zu erleben.

So die Fischer wie sie die Netze singend einholen und sich über Hilfe freuen. Der Gesang und diese Gemeinschaft der Fischer erzeugt wahre Gänsehaut , man erstarrt ehrfürchtig vor dieser uralten Tradition und dem Lebenskampf dieser Männer.

Ein absolutes Erlebnis ist das Neujahrsbad in einer Menschenmasse von Hunderten von Indern, die im Sand Neujahrsburgen bauen, Herzen formen und laut schreiend HAPPY NEW YEAR zurufen und in die Hände klatschen und unbedingt jeden umarmen wollen.

So warm und überschwänglich, erlebt man nur einmal und zwar genau hier:

Echt indisch den Jahreswechsel!

In diesem Sinne, gern noch einmal: HAPPY NEW YEAR!

@VeRa

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